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Ohne Worte. Sprach- und fassungslos.

30.01.06

Permalink 13:04:36, von zucker   —   Kategorien: main

Ohne Worte. Sprach- und fassungslos.

Telefonat mit einer deutschen Behörde.

Nach drei Anläufen habe ich tatsächlich _meine_ zuständige Ansprechpartnerin am Telefon.
Es folgt ein 20-minütiger 'Datenabgleich', wer wann was wem geschickt hat.
Sie weiss es nicht, blickt nicht mehr durch, aber ich habe (nach seeehr langem Suchen meinerseits) die Unterlagen beieinander; gescannt, crosskompatibel als *.pdf und gezippt auf dem Rechner liegen.

Es entspinnt sich folgender Dialog:

Frau Zucker: Okay, ich kann Ihnen die Unterlagen sofort zukommenlassen, geben Sie mir bitte einfach Ihre Mailadresse, und Sie haben es binnen 2 Minuten aufm Tisch.

Frau vom Amt: *argwöhnisch* Mail? Das sehen wir nicht so gerne.

Frau Zucker: *beruhigendertonfall* Ich verspreche Ihnen, es wird ganz einfach gehen, ich schreibe auch die Aktennummer in die Betreffzeile, und "z.H. Frau vom Amt", es _kann_ also garnicht schiefgehen.

F.v.A.: Nein, schicken Sie es lieber per Fax oder per Post.

Z.: Wieso? So geht es doch viel schneller, Sie haben den Vorgang auch parat, weil wir es gerade besprochen haben.

F.v.A.: Aber wenn mein* Mail kaputt sein sollte kommt es nicht an!

Z.: Kein Problem. Ich rufe gerne sicherheitshalber in einer Stunde nochmal an ob die Mail ankam, aber rein theoretisch könnten Sie es mir in einer Minute selber bestätigen, wenn Sie mir Ihre Mailadresse geben.

F.v.A.: Aber dann haben Sie keine Sendebestätigung.

Z.: *nägelknabber* Ich vertraue Ihnen.

F.v.A.: Mails werden hier nicht gerne gesehen *wiederhol* , darum müssen Sie es per Fax schicken. Oder per Post.

Z.: *magenschmerzendruhig* Okay, ein Kompromiss: ich schicke es per Mail und per Fax, dann haben Sie es auch 'wie immer' vorliegen.

F.v.A.: *vorwurfsvollerunterton* Und ich habe die doppelte Arbeit.

Z.: *gequältseufzend* Na gut. Und wie lange dauert es dann, bis mein Fax bei Ihnen auf dem Tisch liegt?

F.v.A.: Ein bis zwei Tage, die Poststelle scannt die Faxe zur Weiterverarbeitung ein.

Z.: Aber die Unterlagen liegen doch bereits gescannt vor!

F.v.A.: *jetztaberdersacheganzsicher* Das macht unsere Poststelle! *fussaufstampf*

Z.: *resignierend* Gut, geben Sie mir dann bitte die Faxnummer?

F.v.A.: Moment, ich muss da kurz rückfragen, ob das geht. Das Faxgerät war nämlich übers Wochenende ausser Betrieb.

......

Ohne Worte.
Ich könnte heulen, toben, schreien, Dinge gegen die Wand werfen.
Hilft aber alles nichts.
Also:
Ohne Worte.

* Behördendeutsch? Mein Fax, ergo: mein Mail.

19 Kommentare

Kommentar von: JC [Mitglied] E-Mail · http://www.haimb.de/jc/wp/
Oh mein Gott, deutsches Beamtenvolk! Grau-en-haft! Kunde - oder doch wieder Bittsteller?! - droht mit neuer Technik! Iiiih! Mail!

Achja: Hier beim Finanzamt braucht ein Fax lt. Aussage meines Sachbearbeiters DREI Tage von der Poststelle auf seinen Schreibtisch. Es wäre ja nun auch zu einfach, wenigstens in jede Abteilung ein Faxgerät zu stellen (wenn man schon nicht jedes Büro damit ausstatten will) oder zumindest dafür Sorge zu tragen, dass Faxe - das ist ja der Sinn dieser Technik - zeitnah weitergeleitet werden.

Und wir wundern uns, warum die Mühlen der Bürokratie so langsam mahlen?

Tapferes Zucker! Ich hätte mich ins Auto gesetzt. Mit der Pumpgun. Und hätte Frau vom Amt besucht. OK, natürlich nur in der Gewaltphantasie, von der ich Freunden und Bekannten nach diesem Telefonat berichtet hätte. Aber wer will einem solche Phantasien auch verdenken, bei solchen Gesprächsabläufen?
30.01.06 @ 14:23
Kommentar von: Legatus [Besucher] · http://legatus.twoday.net
Ein Grund warum ich jeden Kontakt mit Behörden so weit wie nur möglich meide ist die Technikfeindlichkeit selbiger. Kann mich noch dran erinnern wo sie vor 2 Jahren bei uns angekündigt haben, dass man ab sofort ein paar ausgewählte Formulare per Download von der Behördenseite Berlins runterladen kann und das dann per Email zuschicken oder ausdrucken und hinschicken. Gesagt getan...raus kam das die angegebene Emailadresse nicht funktionierte, und auf meinen Brief mit ausgedrucktem Formular bekam ich nur die Antwort das aus dem Internet ausgedruckte Formulare derzeit nicht bearbeitet werden könnten und sie hätten mir ein "normgerechtes" Formular beigelegt...Ju hu...
30.01.06 @ 15:53
Kommentar von: Rayson [Besucher] · http://www.bissige-liberale.com
Es gab keinen Grund, auf der Mail zu bestehen.

So wie die da organisiert sind, wird die Mail nämlich erst ausgedruckt und dann an die Poststelle zum Einscannen weitergereicht. Dauert wahrscheinlich länger als das Fax, so es denn funktionierte...
30.01.06 @ 17:06
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Rayson: Du glaubst scheinbar ans Gute im Menschen :)
Es war viel simpler:

Technical details of permanent failure:
PERM_FAILURE: SMTP Error (state 9): 550 5.1.1 [frau .vom.amt@xyz.de]: Recipient address rejected: User unknown


Sieht man nämlich nicht so gern da, weisste?:)
30.01.06 @ 17:26
Kommentar von: Rayson [Besucher] · http://www.bissige-liberale.com
Bleibt die Frage, wieso man etwas nicht so gerne sieht, das man nie sieht....
30.01.06 @ 18:45
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Unter anderem, weil das Medium fremd ist. Die Kollegin der zuständigen Sachbearbeiterin wollte mir die Mailadresse diktieren; sie begann mit www.... und ich fiel ihr ins Wort:
"In einer Mailadresse muss es ein @ geben."
"Ein was?"
"So 'nen a mit 'nem Kringel drum."
"Ach _so_ heisst das?!"

Bei einer anderen Behörde öffnete mein Gegenüber Outlook 'um ins Intenet zu kommen'.
Mein Hinweis auf einen Browser erntete völlige Verständnislosigkeit.

Das war heute morgen wahrscheinlich die nackte Angst - wie hätte sie denn eine externe Mail empfangen können?
Dann doch lieber den gewohnten Weg beschreiten.
30.01.06 @ 19:00
Kommentar von: Mela [Besucher] · http://mela.de/
Erinnert mich irgendwie an unseren Umzug. Das Einwohnermeldeamt bot den tollen Service die Formulare als ausfüllbares PDF runterzuladen und mit zur Meldestelle zu nehmen.

Also hingesetzt und eine halbe Stunde durch das Formular gefriemelt, ausgedruckt und zur Meldestelle getappt.

Dort wird unser Formular beiseitegelegt, ein identisches von der Bundesdruckerei aus der Schublade genommen und ausgefüllt und alles was auf dem vorausgefüllten FOrmular stand mussten wir nochmal runterbeten...
30.01.06 @ 20:57
Kommentar von: Jens [Besucher] · http://www.pottblog.de/
Also wenn man mir eine Mail schicken würde, würde ich da nix gegen haben. Aber ich bin ja auch nicht die "Frau vom Amt". ;)

Wobei es natürlich auch manchmal notwendig ist, dass bestimmte Unterlagen im Original eingereicht werden (oder aber als beglaubigte Kopie). Die Bildbearbeitung ist schließlich heute schon sehr weit...
30.01.06 @ 22:53
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
*stirninfaltenwerf* Via Herrn JC wird hier aber reichlich Besserwisservolk reingespült.

Zickige Liberale, aufmüpfige Pöttler...

Das Fax oder die Kopie per Schneckenpost soll zuverlässiger sein, Herr Pottblogger?
Dummschwätzen wird von der Dame des Hauses garnicht gern gesehen, seien Sie sich dessen versichert :)

Auf die Art bekommen Sie keine Mail, ne ne .... *tzpf*
31.01.06 @ 00:08
Kommentar von: Legatus [Besucher] · http://legatus.twoday.net
Gefaltete Stirn macht alt im Gesicht Frau Zucker, obwohl eine schöne Frau ja nichts entstellen kann, nichtmal das Alter. :)
31.01.06 @ 08:07
Kommentar von: lunula [Besucher] · http://lunula.twoday.net
oh göttin. Sag mal, könnte das die Behörde sein, die u. a. dafür zuständig ist, ihren "Kunden" (harhar) Schlüsselqualifikationen im IT-Bereich zu vermitteln? Sollten vielleicht erst mal ihre eigenen Leute fördern und fordern...
31.01.06 @ 10:40
Kommentar von: Jens [Besucher] · http://www.pottblog.de/
Frau Zucker - nein, das habe ich ja nicht wirklich behauptet. Wobei natürlich eine beglaubigte Kopie schon fast so gut wie ein Original ist.

Mir ja eh egal, ich persönlich würde auch Anhänge via Instant Messaging akzeptieren - aber wir haben gar kein IM.

... wobei es mich ja jetzt auch interessieren würde, welches Amt (oder gar welche Agentur) es ist...
31.01.06 @ 19:15
Kommentar von: Erwerbs Los [Besucher] · http://www.erwerbslos.twoday.net
Wow,ich habe es neulich geschafft eine E-Mailadresse von meiner "Frau vom Amt" zu bekommen, mit dem Hinweis das telefonisch nur die Callcenter unter 0180 Vorwahlen zu erreichen seien. Meine Mitteilung kam so gar an... Nachdem ich besagtes Callcenter belästigte wurde ich sogar zurückgerufen, von einer neuen "Frau vom Amt" die nun zuständig sei und angeblich ein Fax von mir vorliegen hatte... Auf Nachfrage entpuppte es sich als o. g. Mail. Schlussendlich fragte die "Frau vom Amt" warum ich den Ortsabwesenheitsantrag nicht telefonisch stelle, er wurde genehmigt, unter der Voraussetzumg einer persönlichen Rückmeldung am Schalter des Amtes, der Rest der Anliegen wurde ignoriert...
31.01.06 @ 20:39
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Herr Pottblogger:
Es handelte sich um amtseigenes Papierzeugs, welches in den amtseigenen Katakomben sicher in doppelt und dreifacher Ausfertigung für schlechte Zeiten als Sicherungskopie vorliegt. Und wenn man lange genug kramen würde eventuell auch auf Mikrofiche für die Nachwelt erhalten bleibt. Und da es sich um einen Vorgang aus dem Jahre 2003 handelt sage ich nicht nur Katakomben, sondern meine es so :)
Ich vertraue dem amtlichen Grundmisstrauen in den Bürger, daß ich die Bildbearbeitung nicht bemühen würde.
Ausser um meine eingescannte Unterschrift unters PDF zu kleben.
Statt es auszudrucken, zu unterschreiben und wieder einzuscannen.
Was amtlich sicher der korrektere Weg wäre ... *hüstel* ...

Achja, genau, es handelt sich um die Agentur, die gewisse.

Herr Los, Erwerbs:
Eine bodenlose Frechheit. Die ">100 Millionen Euro für die Telefonanlage müssen scheins wieder eingespielt werden.
Ja, in Worten: Hundertmillionen.
Euro. Nicht Käsecracker.

Das können die Hartz4-Empfänger doch prima erledigen, den ganzen Tag in der Warteschleife.
Haben ja Zeit, ne?!

Frau lunula:
es schmerzt meine feministische Seele, daß dies auf dem Mist einer Göttin gewachsen sein könnte.

Können Göttinnen eigentlich faxen machen?
Auweiha, der Blitz wird mich erschlagen, ich sach nix mehr.
Gaaaaanix.
01.02.06 @ 20:12
Kommentar von: Erwerbs Los [Besucher] · http://www.erwerbslos.twoday.net
Wie kommt mensch zu Herr? Die Net-Tribune schreibt: "Lange Leitung: Das virtuelle Kommunikationsdesaster der Bundesagentur für Arbeit"
26. September 2005 - 09:03 Uhr
unter
http://www.net-tribune.de/article/260905-08.php

... Die Nichterfüllung der in der Ausschreibung verlangten Anforderungen an die virtuelle Vernetzung zwischen den Arbeitsagenturen und den Geschäftsstellen verursache "für die BA über die Laufzeit erhebliche Mehrkosten". Man rechnet mit Zusatzausgaben von rund 40 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Obwohl die Vernetzung der Sprachkommunikationssysteme an verschiedenen Standorten kostengünstig über die bestehenden Datenleitungen über das Internet Protokoll erfolgen könne, seien die Tenovis-Anlagen in den Arbeitsagenturen bisher ausschließlich über teure Wählleitungen miteinander verbunden. ...

Peanuts war mal eine bekannte Äußerung zu solchen Dimensionen, oder?

Im Übrigen sollen doch "Kunden" stets telefonisch erreichbar sein, auch wenn dies der Datenschutzbeauftragte bemängelt, um von der Agentur (rechtswidrig) befragt zu werden;-)
01.02.06 @ 23:25
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Oh,
tschuldigung Erwerbs Los :)
Irgendwie hatte ich das jetzt ... nein, ich hab nicht weiter nachgedacht ... nix Herr :) Notiert.

Mit ein wenig Recherche findet sich sicher ein kostenloser Anbieter von 0180-Nummern - oder ist man bei den Agenturkomikern zu einem Telekomikeranschluss verpflichtet?

Der letzte Stand der Dinge war doch, daß der Agenturkomiker sich am Telefon garnicht als rechtmässiger Befrager ausweisen kann, oder?
01.02.06 @ 23:42
Kommentar von: lunula [Besucher] · http://lunula.twoday.net
@zucker: na wenn die hundert Millionen wenigstens ein paar Arbeitsplätze bei einem TK-Unternehmen sichern (rosa?).
Die Göttin hatte ich nur angefleht, weil ich besonders mächtigen Beistand für nötig hielt. Sie kommuniziert mit mir sehr unbürokratisch ohne Fax und Papier, nur durch Zeichen & Wunder...
02.02.06 @ 10:19
Kommentar von: Erwerbs Los [Besucher] · http://www.erwerbslos.twoday.net
Ganz richtig liebe Frau Zucker, unrechtmäßige Befragung war es definitiv... sonst könnt ja jeder anrufen und einen ausfragen! Hab noch was zur Zufriedenheit bei der Mopo gefunden:

http://morgenpost.berlin1.de/content/2006/01/29/wirtschaft/807316.html

Probleme gab es mit der Erreichbarkeit per Telefon und Email. Hier vergaben Arbeitslose und Unternehmen eine 3,4 (Bund: 3,4). Insgesamt lag die Zufriedenheit bei 3,1 (Bund: 3,0). Das Umfrageergebnis soll nun im BA-Verwaltungsrat beraten werden. In einem internen Papier heißt es: "Der Schwerpunkt der Wünsche und Verbesserungen betrifft das Kerngeschäft der BA. Arbeitnehmer wollen eine deutlich bessere Unterstützung bei der Arbeitssuche und fordern eine höhere Qualität der Arbeitsangebote." Die Arbeitsmarktsituation begrenze aber die Möglichkeiten der BA.
03.02.06 @ 23:11
Kommentar von: J. Jacob [Besucher]
Keine Emailadresse ? Man stehle mit den Augen und zwar auf dem Namensschild des Schreibtisches:
Vornamen und Familiennamen des/r Sachbearbeiters des AA.
Nämlich:

vorname.familiennamen@arbeitsagentur.de

IST DIE EMAILADRESSE des Sachbearbeiters
Falls nur der Familienname ( Meier )dort steht gibts noch die Möglichkeit an der Anmeldung nach Fritz Meier zu fragen und dann die Antwort zu bekommen, Fritz Meier haben wir nicht, wir haben nur einen Hugo Meier = Volltreffer.
17.01.07 @ 17:12

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