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Unberechenbares Schauern

08.12.06

Permalink 19:18:25, von zucker   —   Kategorien: main

Unberechenbares Schauern

klick mich zum vergrössernGestern morgen wurde ich wach, lauschte 30 Sekunden dem Platzregen kombiniert mit Windböen, wälzte mich auf die andere Seite, knautschte das Kissen zurecht und schlief wieder ein. Aber gegen Mittag hatte sich selbst mein aktuelles Siebenschläfernaturell erschöpft, und ein etwas angeknautscher Zettel auf dem Nachttisch mahnte ich mich auch, das ich ein klitzekleines bischen Arbeit mitgenommen hab.

Also zog ich mich widerwillig aus den Federn hoch, köchelte mir den morgendlichen Ingwertee und verkroch mich die nächsten zwei Stunden stirnrunzelnd zurück ins Bett, diesmal mit Laptop auf dem Bauch.
Und lasse mich hingebungsvoll von einem Kaskadierenden Hypertext-Stylesheet-Dokument  klick mich! schikanieren. Da kommt es mir sehr recht, das das Klopfen am Fenster irgendwann verstummt, und hocherfreut schubse ich das elende Laptop vom Schoss, springe in lange Angoraunterhosen und SchirmCharmeMeloneAnorak, hänge die Kamera über die Schulter und eile vergnügt-summend über die Dünen Richtung Westkapelle  klick mich!. Freue mich an manigfaltigem Wolkenspiel  klick mich! und finde auch das immer dunklerwerdende Wolkengetüm über mir höchst fotographierenswert  klick mich!.
Ich dusseliges Städterding, ich.

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Das Wolkengetüm grinst mich also spöttisch an, spuckt mir mal probeweise auf die Linse, welche ich empört sauberwische, und dann zeigt mir das Wolkengetüm aber mal was ne Harke ist.

Plötzlich weht eine Sturmböe mich fast um, ich nestel schnell die Jacke auf um die Kamera zu schützen, und schon schwappt ordentlich Wasser über mich. Es giesst in Strömen, das Wasser läuft mir selbst in die Stiefel, und als ich mich eine Viertelstunde später zähneklappernd die steilen Stiegen meiner Behausung hochziehe klebt wirklich alles an mir.
Ich pelle mich also mit steifgefrorenen Fingern aus den Klamotten, stopfe die Kleider in die Waschmaschine und Zeitungspapier in die Stiefel, koche mir knurrend den hundertzwanzigstens Ingwertee, befülle die Wärmflasche mit kochendem Wasser und krieche leisefluchend neben das arglos vor sich hinsurrende Laptop ins Bett zurück.

Das ist zuviel der Freudlosigkeit: kaskadierende Dingsbumse, hinterlistige Wolkengetüme und dann nur Ingwertee für die geschundene Seele.
"Genuch gefastet!" krabbel ich triumphierend aus dem Bett und zaubere einen schrumpeligen Apfel aus dem Rucksack hervor. Flugs das gute Stück aufpoliert und in acht Stücke geteilt breche ich das Fasten  klick mich!, und wackel dabei begeistert mit den wieder beweglichen Zehen, was ich wohl zum Abendessen essen könnte.
Dieser Gedanke lässt mich dann auch furchtlos die nasswarmen Stiefel von der Heizung zupfen und über die Füsse stülpen, und schon kletter ich wieder die gefährliche Stiege herab um im Schutze der Dunkelheit zum Supermarkt zu huschen.

Wie bereits oben erwähnt: ich dusseliges Städterding. Naiv dazu.

Ich stehe also kurz vor sieben vor den verschlossenen Türen des Supermarktes, aber netterweise hat das Wetter mich dann doch noch bemerkt und giest erneut einen erfrischenden Eimer Wasser über mir aus.

Als ich diesmal die Treppe hochklettere fluche ich nichtmal mehr.
Zum Abendessen gibts dann zwei Handvoll Basmatireis, die ich in den müden Resten der gestreckten Tomatensuppe gegart habe. Klingt scheusslich, aber glauben Sie mir: nach vier Tagen Fasten ist auch das ein Genuss!