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Abschied beim Plastikbaum

14.12.07

Permalink 14:14:47, von zucker   —   Kategorien: main

Abschied beim Plastikbaum

Das Bahnhofscafe in Middelburg ist die letzte Station meines Urlaubs.
Den Vormittag habe ich damit verbracht zu spät aus dem Bett zu springen, Kaffee runter zu stürzen, in den Supermarkt einzufallen um Lakritze und Vla  klick mich! einzukaufen, um anschliessend - weiter Kaffee trinkend - alles verzweifelt kramend in die Koffer zu pressen.
Mein Langschläferluxus lässt mir nurnoch eine halbe Stunde um mich vom Meer zu verabschieden, und um es mir nicht so schwer zu machen peitscht mir aus tiefhängenden Wolken ein fieser Nieselregen ins Gesicht.
"Ist ja gut, ich geh ja schon!", brumme ich in meinen Schal, tauche nochmal die Hände in die Gischt vor meinen Füssen und kehre langsam über die Düne zurück zu meinen wartenden Koffern.

Sieben Minuten vor der Abfahrtszeit des Buses ziehe ich die Tür hinter mir zu und renne störend durchs Ferienidyll, den ratternden Koffer hinter mir herziehend. Zum Glück ist der öffentliche Personennahverkehr auch hier nicht pünktlich, und so lasse ich zehn Minuten später die Landschaft durch salzwasserverschmierte Scheiben an mir vorrüberziehen.

Das Bahnhofscafe in Middelburg  klick mich! dürfte Ende der 80er Jahre das letzte Mal frische Farbe gesehen haben. Auf beigefarbenden Resopaltischen liegen plastikverschweisste Speisekarten neben teilweise halbvollen Aschenbechern; auf Blumenschmuck, Pfeffer-, Salz- und Zuckerstreuer verzichtet man in Gänze. Von der braungestrichenen Decke baumeln lange Kabel in unterschiedlichen Längen, an deren Enden kugelige Lampen aus Milchglas hängen. An den Wänden ziehen sich Plastiktannengirlanden mit entsprechenden Leuchtmitteln entlang und weisen auf die adventliche Zeit hin.

Ich stapele mein Gepäck auf einen Stuhl an meinem Stammtisch neben der Tür zum Bahnsteig und strebe zum Tresen. Ich bestelle eine Tasse Kaffe und eine Portion Frikandel special, bekomme ein Tablett mit dem Kaffee in die Hand gedrückt und kehre zu meinem Tisch zurück.
Frikandel special ist etwas, was es zum Glück nur in Holland gibt, aber mindestens einmal pro Aufenthalt gegessen werden sollte. Es ist sinnvoll dazu eine Dose Heineken  klick mich! zum Runterspülen zu ordern, aber mittags um zwei Uhr habe ich doch gewisse Skrupel und verkneife mir das.

Es handelt sich dabei um eine Art Bratwurst ohne Haut, die aber nicht gebraten sondern fritiert wird. Dieses fritierte... Ding wird dann quer aufgeschnitten und mit Mayonnaise und Ketchup gefüllt und gekrönt wird das Ganze dann mit kleingehackten Zwiebeln.
Gucken Sie bitte nicht so angewidert, ich sagte ja bereits das eine Portion pro Urlaub reicht!
Serviert wird diese kulinarische Eigenart in einem länglichen Wegwerfplastikschälchen, als Esswerkzeug gibt es ein Plastikgäbelchen, dessen äusserer Zinken mit einer messerähnlichen Riffelung versehen ist.

Während mir ein Angestellter mein frisch zubereitetes Frikandel special  klick mich! serviert entleert am Nachbartisch eine andere Angestellte eine Plastiktüte mit Weihnachtsdekoartikeln neben einem Plastikweihnachtsbaum.
Ich löffele meine Henkersmahlzeit in mich hinein und schaue zu wie sie lustlos eine Lichterkette an das Bäumchen fummelt.
Ich wische mir den Mund mit der Plastserviette ab und trinke den letzten Schluck Kaffee.
In zehn Minuten fährt mein Zug. Zurück in den schnöden Alltag.
Tot ziens Nederland!