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Das Thermometer hüpft für ein paar Tage in die Luft, Ostern steht vor der Tür - nun könnte man Hühnereier leerpusten, Schnittlauch aufm Balkon sähen, Lammbratenrezepte wälzen, oder.....
den Baumarkt leerkaufen!
Ich liebe Baumärkte!
Kraftvolle Maschinen, die nach Öl riechen, Blumenerde, Holz in allen Formen, Grössen und Farben, Schraubensammelsurien, grossartiges Zeugs.
Ich liebe es in Baumärkten rumzutappern, besagte Schrauben und Maschinen zu betatschen und begrabbeln, und das so lange, bis der Ladendetektiv hinter einem herschleicht und sich ernstlich fragt mit was für einer Irren er denn hier zu tun hat.
Welch ein Glück, das mein Kleiderschrank neue Einlegeböden mit den Maßen 126x40 braucht!
Ich messe also mehrfach aus, rechne hin und her ob nun drei oder vier Einlegeböden klüger sind. Zerre den Fahrradanhänger aus dem Keller, binde ihn hinten ans Rad und trete die grosse Einkaufstour an.
Vorm Baumarkt wird das Gefährt abgestellt und gegen einen 1-Euro-Einkaufswagen ausgetauscht und zielstrebig entere ich das Einkaufsparadies.
Wenn ich ernsthafte Kaufabsichten hege lasse ich das Maschinenbepatsche ausfallen und rase direkt in die richtige Abteilung, damit mir ja niemand die letzten Einlegeböden vor der Nase wegschnappt!
Natürlich gibt es keine Einlegeböden in den Maßen 126x40, also schreite ich die Gänge ab, vergleiche Preise, als versehentlich ein hauseigener Mitarbeiter an mir vorbeirennt.
"Huhuuu.. haaaalt, stohooop, ja, genau SIE, ich habe eine Frage!" Das passt ihm offensichtlich nicht so recht in den Kram, aber ich gebe mich aufdringlich und er rät mir zum Kauf der 2,60m langen Möbelbodenbretter um diese dann passgenau an der Sägetheke zerlegen zu lassen.
Keine schlechte Idee!
Natürlich zersägen die einem nicht einfach die gewünschten Bretter, nein nein, die müssen erst bezahlt werden.
Statt nun einfach die zwei gewünschten Bretter an der Kasse zu bezahlen muss ich genau diese Bretter erstmal zur Kasse schaffen. Natürlich passen die 2,60m langen Bretter nicht auf den Einkaufswagen, also latsche ich mit meinem Wägelchen durch den Laden zurück auf den Parkplatz, um ihn gegen einen Lasteneinkaufswagen auszutauschen.
Wieder durch den ganzen Laden, um den Kerl hinter der Sägetheke hervorzuzitieren, damit er mir die Bretter auf den Wagen lädt.
Anschliessend kurve ich zickzackfahrend zurück zur Kasse und bezahle. Nun bringe ich die gesamte Schlange hinter mir gegen mich auf weil ich mich rückwärts wieder in den Laden zurückdrängele.
Meine Bomben-Baumarkt-Laune ist ein kleines bisschen getrübt als ich die beiden Bretter das dritte Mal quer durch den Laden gewuchtet habe und weitere 15 Minuten an der Sägetheke angestanden habe.
Und der Blick des Säge-Heinis besagt klar, das er nicht befürwortet, das Frauen ohne Beaufsichtung eines Kerles durch den Laden latschen und auch noch Ansprüche erheben.
Ich diktiere ihm die gewünschten Maße, aber er reisst mir den angeknautschten Zettel lieber aus der Hand.
"Da steht 3 x! Wieso wollen Sie jetzt vier?!"
"Weil diese dammichten Riesenbretter ganz prima vier Einlegeböden ergeben!
Und das Endstück teilen Sie dann bitte nochmal in zwei Teile à 4 cm!"
"3,8!" entschwindet er korinthenkackend.
Ich trippele mit den Fingernägeln auf der Sägetheke rum und beobachte mit Argusaugen ob der Säger sägt was ich will.
"Sie kommen also auch prima mit dem klar.", kommentiert die Frau hinter mir in der Schlange.
Sie hält ein ca. 1,50 Meter langes bezahltes (!weil mit Bon versehenes!) Brett in der Hand.
"Oh, dann sind Sie wahrscheinlich auch so eine lästige Ziege!" rutscht mir raus, aber sie nickt nur und grinst heimlich.
"Bleiben Sie lästig, anders gehts nicht.", bestärke ich sie, und als der Säger an seinen Tresen zurückkehrt wird er von zwei Schlangen fies angegrinst. Ihm ist sichtlich unwohl, und er stapelt kommentarlos das Holz auf meinen nun wieder viel zu grossen Lasten-Wagen.
Ich lächele zuckersüss und bedanke mich, und nicke der Frau mit dem 1,50er-Brett zwinkernd zu und rolle in den nächsten Gang.
Dummerweise hat mich der Bretterkaufrauschteufel fest im Griff, und ich lasse mir noch zwei Bretter mit den Maßen 80x30 halbieren, lasse zu diesem Zweck aber den Wagen mit den bereits gesägten Brettern unbeaufsichtigt in einem Gang stehen, um das Bezahlmanöver diesmal ohne Wägelchen zu vollziehen, der Sägefuzzi ist not amused mich schon wieder zu sehen, aber halbieren geht flott, und die Kasse akzeptiert mein Kassenbon-Bretter-Chaos erstaunlich anstandslos.
Ich vermute, das der Ladendetektiv mir im Hintergrund freies Geleit organisiert hat, damit man mich irgendwie wieder los wird.
Die nächsten 20 Minuten stapel und sortiere ich die viel zu vielen Bretter auf meinem popeligen Radanhänger, zurre mit Zurrgurten von links nach recht nach oben nach unten, tausche meinen Lasteneinkaufswagen gegen einen Euro ein und schiebe das wackelige Konstrukt vom Hof bzw. Parkplatz.
Nach ca. 50 Metern will ich die Strasse überqueren, wohlwissend, wie weit ich auf dem diesseitigen Bürgersteig käme, wähle einen zu steilen Winkel und der völlig überladene Anhänger kippt mitten auf der Strasse um.
Samt meinem mühsam ergatterten Bretterstapel.
Mitten auf einer dreispurigen Strasse werde ich in einer solchen Situation auch langsam etwas uncool.
Aber es gelingt mir ohne hysterische Ausfälle sämtliche Einzelteile des ganzen Manövers auf den anderen Bürgersteig zu retten.
Ich stehe haareraufend vor den frisch aufgeschichteten, inzwischen etwas angeschrabbelten Brettern, dem Rad, dem Anhänger, arbeite an einer neuen Strategie, als eine Stimme hinter mir sagt:
"Isch guck mir dat jezz ne Weile an, also, isch wollte misch ja net einmischen, aber es sieht ein bisken so aus, als dät dat net klappen, wie Sie sisch dat so denken täten!"
Zum Glück ist Baumarkttag, und Baumarkttag macht mich glücklich, also drehe ich mich grinsend um und frage:
"Jo! Und hatten Sie wenigstens Ihren Spass?"
Vor mir steht ein Kerl im semi-professionellen Handwerkerlook. Um die 50. Vokuhila-Frisur. Schwer angegraut.
"Najo", sagt er zweifelnd. "Wo müssen Se denn hin mit dem Zeuchs?"
"Warum fragen Sie?" taste ich mich vorsichtig ran.
"Najo. Ich hab ja 'nen Hänger, da künnt isch dat eventuell ... also.. wohin soll dat Zeuchs denn nu?"
Ich lasse meinen Blick schweifen, ein alter weisser Mercedes (eins der wenigen Autos, die ich erkenne) mit Anhänger, auf dem ein paar Stapel Waschbetonfliesen thronen.
Ich nenne ihm die Strasse; kennt er nicht. Ich nenne ein paar andere geographische Eckdaten, jo, dat kennt er, dat is jo net weit, jo, dat könne mehr mache.
Ich schalte um. In die Charme-Offensive.
Nein, also das wäre wirklich zu nett, also, ich bin ja hellauf begeistert, ich weiss ja garnicht was ich ohne ihn ... also, wirklich, sehr nett!
Er guckt ungemütlich. Zu nett ist ihm offenkundig auch nicht recht.
Oh, gar kein Problem, ich trag das alles zu seinem Hänger rüber, während er auf seine Lieferung wartet.
Jo, is okay. Und er trottet los.
Ich gucke ihm nach, er hätte sich ja eventuell ein Brett schnappen können auf seinem Weg zu seiner Karre, na gut, also fange ich an Bretter zu schultern und neben seinem Wagen abzustellen.
"Oh, ich hätt ja uch watt mitnehme' künne, aber ich wör so in Jedanke wat mit minge Fliesen is.."
"Schon gut, schon gut, wenn Sie Zeit haben solls mir recht sein.", trage ich weiterhin die Bretter rüber, bis er von der anderen Strassenseite winkt, offenbar werden keine Fliesen mehr geliefert, er kommt mir entgegen, wendet den Wagen.
"So, wie machen wir et, fahren Sie mitm Rad vor?"
Ich gestehe, das ich mich in dem Einbahnstrassengewimmel als Radfahrer nicht wirklich auskenne, schlage vor, das wir Rad und Anhänger einfach mitaufladen und ich ihn aus dem Auto raus lotse, was er offenkundig nicht dumm findet und behende mein Rad in den Hänger läd, und ich meinen Anhänger hinterherhiefe.
Es folgt mein übliches Einbahnstrassenfiasko.
"Oh, wie Sie ja sehen, mach ich alles mit dem Rad, gerne mal gegen die Einbahnstrasse ... vielleicht gehts ja an der nächsten Strasse links?"
Tut es nicht.
Ich bemühe mich um freundlichen Smalltalk, und wie reizend das doch sei, das er.. und überhaupt. Es ist zum Kotzen!
Aber zweifelsohne wäre ich ohne diesen Fahrdienst ganz schön viel zu Fuss unterwegs heute. Also erkunde ich 'intressiert', was er denn mit seinen Waschbetonplatten vorhat, und ob er mir als Garteninhaber vielleicht erzählen kann ob Pfefferminze mehrjährig wächst. Tut sie, sagt er.
Nach ca. 10 Minuten haben wir es im baumarktgleichen Zickzack fast bis vor meine Tür geschafft, und ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben täte, das der Mensch jetzt ein bisschen mehr als genug von dem ganzen Gedönse hatte.
Falsche Strasseseite, 30 Meter zu früh, egal.
Ich lade flugs alles mit ihm vom Wagen und bedanke mich per Handdruck.
Er nickt, steigt in den Wagen und fährt weg.
Es ist ziemlich schwierig, mit der Autonomie, als Nicht- Führerschein- Inhaberin, alles per Rad zu erledigen. Kommerzielle Lieferdienste sind für mich finanziell in so einem Fall indiskutabel.
Und der autoverwöhnte Bekanntenkreis kann sich gerne mal sittlich belästigt fühlen, wenn man um Hilfe bittet.
< ironie >Wo ich doch so gerne um Hilfe bitte. < /ironie >
Sehr nett, das dieser unbekannte Mann es einfach getan hat. Danke.
Oh, und viel Spass beim Verlegen des Waschbetons.
Meine Nachbarn freuen sich dieses Wochenende sicher auch über das Hämmern und Bohren aus meiner Behausung :)
Und Baumärkte finde ich nach wie vor toll!
P.S.: Nach langer Zeit zu später Uhrzeit viel zu viel gebloggt, für ein gründliches Lektorat in Sachen daß, das und Schlimmeres bin ich offen :)
Kommentare
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