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Vergangenen Donnerstag spielte meine Lieblingsband
im Blue Shell zum Tanze auf, und wie man sieht hatte ich viel Spass.

Ebenfalls gut erkennen kann man die eklatanten Vorteile einer Kurzhaarfrisur: während Peter
(links im Bilde) doch wirklich wie aus dem Ei gepellt aussieht, wirke ich (was übrig bleibt) daneben eher wie ein zerzauselter nasser Hund. Zu dem Zeitpunkt als das Foto geschossen wurde rochen wir sicher beide wie nasser Hund und dazu noch ein klitzekleines bißchen nach Bier. Aber dies sicher nur ganz dezent und ich bin mir sicher, daß es niemandem um uns rum aufgefallen ist.
Aber fangen wir von vorne an.
Ende Juni erreichte mich von Peter eine kurze Mail mit der Aufforderung die Breitenseite
aufzusuchen, die Herrschaften beabsichtigten nämlich Köln mit einem Gratiskonzert zu beglücken.
Da wird nicht lang gefackelt, rappzapp auf die Website, per Mail für die Gästeliste angemeldet, alles ordentlich im Kalender verzeichnet und anschliessend eine Dankesmail an Peter, für den Hinweis.
Ein paar Tage später sass ich mit dem Muffel im Biergarten rum, hatte soeben die zweite Runde Weizenbier bestellt und baute meine Falle auf.
"Die Extrabreiten haben ja eine neue Platte rausgebracht und tingeln damit durch die Lande."
Das Muffel starrt resignierend auf das zweite Weizenbier und sagt:"Achja?"
"Es ist ja auch schade, daß die so selten nach Köln kommen, sonst würd ich dich ja mal aufn Konzert mitschleifen..."
"Zu schade aber auch!", sagt das Muffel und nimmt einen grossen Schluck Bier.
"Stell Dir mal vor..", flöte ich arglos und gucke dabei etwas träumerisch-wehmütig in die Ferne, "stell Dir mal vor, die Breitinis kämen nach Köln und gäben ein Gratis-Konzert, da kämst Du doch bestimmt mit, gelle?"
Das Muffel ist derart romantische Anflüge nicht von mir gewohnt, stellt das Glas beherzt ab, tappt mit einem grossen Hüpfer in die Falle und versichert mir nachdrücklich:" Klar! Dann käme ich mit!"
Ich gebe mir wenig Mühe das triumphierende Grinsen zu unterdrücken, genehmige mir ebenfalls einen grossen Schluck Bier.
"Dann trifft es sich ja gut," ich lecke mir den Bierschaum von den Lippen, "das die Breiten ganz zufällig Ende Juli hier in Köln im schönen Blue Shell
spielen." Ich lehne mich zufrieden zurück.
"WAS?!" Das Muffel schmeisst fast das Bierglas um. "Jetzt muss ich da mit hin?!?!"
"Jahaaa!", trällere ich, "und mir fällt wirklich keine akzeptable Ausrede ein, wieso du nicht Donnerstagabends mit dem kleinen Zuckerschnucki beim einen oder anderen Hopfenblütentee zu guter Musik schwofen solltest!"
Das Muffel stürzt das Bier nun runter und hinter der faltenwerfenden Stirn arbeitet es fieberhaft, aber die Falle war zu gut.
Hi hi! :)
Wieso eigentlich Gratiskonzert?
Aha!:
Im Blue Shell wollen die Breitlinge also das grosse Programm abziehen, Aufzeichnung für Livealbum und DVD .. bitte was??
Im Blue Shell
???
Der Laden ist eher so ein schlauchartiges Ding, früher gabs da vorne 'ne Theke und hinten einen Billardtisch, wo soll denn da die Band, das Equipment, das Mischpult, einzweidrei Kameras...? Mir fehlt die Phantasie.
Die Fangemeinde im Extrabreit-Forum
scheint ebenfalls ahnungslos, mir solls egal sein, und so finde ich mich Donnerstags pünktlich um 19.30h ein. Das Muffel sitzt im verspäteten Zug zwischen Düsseldorf und Köln und flucht sich per SMS die Seele aus dem Leib, aber der Türsteher lässt sich netterweise überzeugen, daß zu 'Zucker' noch 'Zucker2' gehört, und 'Zucker2' halt erst etwas später vorstellig wird.
Dieser Irrsinn ist nicht nachvollziehbar, aber der Mensch ist gutmütig, winkt mich durch und sichert mir zu, 'Zucker2' ganz bestimmt reinzulassen. Worauf ich das Muffel via Handy instruiere, es möge sich bitte als 'Zucker2' ausgeben, und das es sich auch nimmer weiter abhetzen müsse, schliesslich sei zumindest für den Einlass gesorgt.
So richtig begeistert zeigte sich das Muffel über diese Entwicklung nicht, aber das kam bestimmt nur am Handy so rüber.
Irgendwer aus dem Umfeld der Band oder gar irgendeiner der Protagonisten selbst muss dann doch mal etwas genauer hingeguckt haben und festgestellt haben, das DVD-Aufzeichnen zwar eine Superidee ist, aber DVD-Aufzeichnen im Blue Shell eine ziemliche.. naja, wie soll man es nennen.. also.. Schnapsidee? Ja, also das das eine ziemliche Schnapsidee war.
Ich inspiziere also die Räumlichkeiten, da wo mal der Billardtisch stand ist jetzt sozusagen der Eventbereich, versehen mit einer ... äh.. Bühne ... ähm, nein, also, mit einem.. ja, wie nennt man das jetzt.. Podest! Auf diesen vielleicht 3x4 Metern werden sich die Breiten also tummeln, an die Seite gepresst ein Mischpult, und es ist schon jetzt richtig hübsch warm. Zufrieden nehme ich die fehlenden Kameras zur Kenntnis, und das ich wohl doch noch einigermassen bei Sinn und Verstand war als ich das mit der DVD-Aufzeichnung leise in Zweifel gezogen habe.
Ich kaufe also Bier auf und postiere mich zum Sauerstofftanken vorm Shell, tausche mich mit dem anderen Gesindel darüber aus wer wohl wann auf diese Idee kam ... und irgendwann ist auch endlich das Muffel da!
Es guckt sich staunend um, das es tatsächlich so viele andere Menschen gibt, die diese bescheuerten T-Shirts tragen, lässt sich über den Wegfall der Kameras aufklären und dann von mir reinscheuchen um a): den Zucker2-Test beim Türsteher zu bestehen, b): das wichtige Accessoire aufzukaufen, welches ihm ganz offensichtlich fehlt: das Bier zum Event.
Nachdem der Schlachtplan ja sowieso schon etwas dezimiert ist und es im Shell auch irgendwie nicht kühler zu werden scheint, beschliesst die Band mal was ganz außerplanmässiges: sie fangen einfach ne Viertelstunde früher an als angesagt!
Der dominosteinerauchende Drummer
trommelt die Schäfchen kraftvoll zur Messe, ich zerre das ahnungslose Muffel mit den Worten "Ui, es geht los, wir müssen nach vorne, los, kämpfen!" in die Location, und nach ungefähr einer Minute zeigt sich das Muffel endlich ein wenig dankbar über die albernen Ohrstöpsel, die ich aus den Hosentaschen hervorgrabe.
Die ersten zwei-drei Lieder beäuge ich das Muffel auf- und abwippend aus den Augenwinkeln, stelle erfreut fest das es keine ausgeprägten Fluchttendenzen zeigt, erkläre armerudernd und laut brüllend, daß ich mich nun in die ersten Reihen durchschlagen muss, und auch wenn das Muffel kein Wort versteht nickt es irgendwann grinsend und lässt mich von dannen toben.
In der ersten Reihe ist der Bär los. Temperatur und Luftfeuchtigkeit lassen einen vermuten man hüpfe im Tropenwald zur Musik auf und ab, die Luft ist zum Schneiden. Die Band tropft aus allen Poren und gibt alles. Der tobende Mop vor der Bühne nicht minder, aber der wird wenigstens nicht zusätzlich beleuchtet. Ich habe keine Ahnung wieviel Zeit vergangen ist, aber als die Band kurz vorm Kollaps steht setzt Herr Havaii (vocals) mal ein Päuschen an.
Die Gemeinde strömt dankbar nach draussen während sich die Band hinter einen schwarzen Moltonvorhang zwischen Tresen und Klo rettet. Hinterher erfahren wir aus verlässlicher Quelle
das Herr Kleinkrieg (guitar) zu diesem Zeitpunkt erstmal schwarz sieht und lang hinschlägt. Ob man vorsorglich einen Sanitäter im Backstagebereich mit sich führt oder ihn einfach mit Wasser und Ohrfeigen wieder aufgepäppelt hat wird nicht erläutert, aber keine Viertelstunde später entert die Band tapfer wieder das Podest und kämpft sich weiter durch die inzwischen etwas zusammengestrichene Setliste.
Und wenn die Band sich nicht lumpen lässt bleibt einem ja nix anderes übrig als mitzumachen, gelle? Offensichtlich ist man gewillt wenigstens etwas Material für eine Live-Platte zu sichern, also tue ich was von mir erwartet wird: ich singe, hüpfe, brülle, springe, johle und wische mir ab und an den brennenden Schweiss aus den Augen. Das dürfte ungefähr der Zeitpunkt sein an dem der Keksbäcker
das Foto da oben geschossen hat.
Eine Dreiviertelstunde später läutet die Band nochmal eine kurze Pause ein, ich krieche fast auf allen Vieren an die frische Luft wo ich auf das abgekämpfte Muffel treffe.
"Nun hab ich wirklich alles mitgemacht, jetzt MUSS ich nach Hause, ich muss ja nunmal irgendwie noch arbeiten morgen!", erklärt es mir.
Ich zolle dem Muffel Respekt, erkundige mich obs denn gefallen hat. Das Muffel weicht sehr geschickt aus, und drinnen dröhnt schon wieder das Schlagzeug, also lasse ich das Muffel von dannen ziehen und quäle mich ziemlich widerwillig in den blauen Brutkasten zurück.
Keine sieben Pferde würden mich in die erste Reihe zurückkriegen, und damit das auch ja niemand versucht kralle ich mich an den Tresen und ordere ein letztes Kaltgetränk.
Vielleicht sind mir dann auch irgendwann mal die Sinne entschwunden, jedenfalls schrabbelt man sich flott durch die Zugaben und entlässt das völlig derangierte Publikum wieder ins Freie.
Allgemeines Hyperventilieren und Aufstocken des Wasserhaushalts ist angesagt, wer sich nicht am Merchandise-Stand mit neuem T-Shirt versorgt hat wringt sich halt ein wenig aus, und nach circa 20 Minuten schafft es auch die Band nach draussen um sich einen Eindruck zu verschaffen, was denn das geneigte Publikum von diesem Abend so denkt. Und um Sauerstoff zu tanken!
Ich bin völlig k.o., aber gefallen hats mir, oho! Und ich bin mehr als froh, daß ich mich nur noch mit der Strassenbahn über den Rhein zuckeln lassen muss und gegen halb 2 liege ich dann auch frisch geduscht im Bett und sinke ins schwer erarbeitete Koma.
Ach, was ist es schön so eine wahnsinnige Lieblingsband zu haben :)
Auf Peters T-Shirt steht übrigens folgendes geschrieben:
"Ich hätte auch gerne eine andere Lieblingsband, aber was soll ich machen."
Ich versichere Ihnen: das ist dreist gelogen!
Kommentare
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