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Heimkommen

12.10.08

Permalink 14:53:26, von zucker   —   Kategorien: main

Heimkommen

Ab der dritten Etage zerrt der Koffer am Handgelenk, aber es ist ja nicht mehr weit. Ich hiefe das Gepäck noch eine Etage höher, stecke den Schlüssel ins Schloss und wuchte die Last in den Flur.
“Frauchen ist wieder da!” brülle ich ins Dunkel, lasse die Taschen fallen und breite die Arme aus.
Jetzt müsste das Kröt mit flatternden Ohren um die Ecke gezischt kommen und mir freudig-fiepend um den Hals fallen… ich tappe wartend und ringe noch ein wenig nach Luft.

Das Kröt hat keine Ohren mit denen es flattern könnte, denke ich.
Und fiepen tut es eigentlich auch nie.
Na gut.

Ich taste nach der Schlafzimmertür, rechter Hand. Finde die Klinke, drücke sie runter und schiebe die Tür auf. Linse vorsichtig ins Dunkel.
“Ernaschnuckchen?”
Kein Laut ist zu vernehmen.
Also wende ich mich der Küche zu und haue mir erstmal das Schienbein am achtlos abgestellten Koffer. “Autsch … Sch…!”
Ich schiebe den Koffer ganz praktisch ins Badezimmer, wo ich erstens das Kröt nicht vermute, und zweitens den überwiegenden Inhalt des Koffers später sowieso der Waschmaschine überantworten werde.

Die Küche liegt erwartungsgemäss ebenfalls im Dunkeln, ich lausche andächtig ob ein leise schnarchendes Kröt zu vernehmen ist - negativ.
Nun bleibt nur noch das Wohnzimmer, dessen Tür ich vorsichtig aufschiebe, vorsichtig für den Fall, daß Erna mit Partyhütchen dekoriert hinter der Tür hervorgehüpft kommt und “Überraschung!” schreit.

Weit und breit kein Kröt. Weder mit noch ohne Partyhütchen.
Enttäuscht setze ich Teewasser auf und brummele leise was von “Undankbares Mistvieh!”
Auf dem stockdüsteren Balkon konsultiere ich das Grün, welches sich ungefähr genauso begeistert über meine Heimkehr zeigt, aber wenigstens haben sich ein paar Tomaten beeilt, bei diesen lausigen Temperaturen noch schnell nachzureifen bevor sie kommendes Wochenende gnadenlos untergebuddelt werden.

Zwanzig Minuten später bin ich wieder bei Kräften, rücke zielsicher das Leopardensofa von der Wand ab und angele eine ziemlich eingestaubte und verdreckte Schildkröte dahinter hervor. Erna klappt eine Auge auf und streckt den Kopf vorsichtig aus der Behausung, was ich nutze und ihm den Staub von der Nase knutsche.
“Mein kleines Duziduzi-Schnuffelkröt, Mama ist wieder da!” freue ich mich wie ein Schneekönig, während Erna sich sich wieder in den Panzer zurücktrollt.
“Hast Du mich vermisst?” frage ich, als er den Kopf nochmal rausstreckt, was ich mit einem weiteren Schmatzer quittiere - und Erna legt wieder den Rückwärtsgang ein.

Nachdem ich den Kleinen hinreichend abgeknutscht habe gönne ich ihm wieder Boden unter den Füssen und krame ein Stück Schrumpelsgurke aus dem Kühlschrank hervor, über die sich das Tier ganz schön gierig hermacht, während ich zufrieden im Sessel daneben sitze und resultiere:
“Hah, siehste, hast mich doch vermisst!”