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Mittagspause - Supermarkt - Kühltheke
Ein Bürohengst kramt sich durch drei Kartons Fertigsalat inklusive Plastikgäbelchen und seperatem Dressing. Draussen hat fieses Nieselherbstwetter eingesetzt, und der Bürohengst hat offensichtlich beim Streichholzziehen verloren und muss fürs halbe Büro Salat aufkaufen. Wahrscheinlich wegen der Abwehrkräfte und der Vitamine.
Oder für die Figur.
Mit Mais, ohne Mais, mit Oliven und Weichkäse, oder ganz vegetarisch, oder gar mit Kochschinken?
French Dressing, Joghurtdressing oder schlicht Italian Dressing?
Der Bürohengst stapelt und räumt von links nach rechts und murmelt vor sich hin.
“Mit Käse und Möhrenraspeln will Anne, aber nur wenns Italian Dressing ist, fällt das also weg…” und schiebt eine Salatschale nach hinten ins Regal. “Bernd wollte aber auf jeden Fall mit Schinken, ohne Fleisch brauche ich dem nicht zu kommen, wo war nochmal Kochschinken?”
Ich stehe ungeduldig daneben, die Hände in den Anoraktaschen vergraben und tappe dezent.
Und trete einen Schritt näher. Ihm auf die Pelle. Damit er sich etwas beeilt.
“Was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesem French- und diesem Joghurtzeugs?” brubbelt es neben mir, und ich taste das Regal mit den Augen langsam nach Alternativen ab.
Fertiglasagne, eingeschweisste Sandwitchdreiecke, Fleischklopse mit undefinierbarer Sauce…
“Wer sind SIE denn?!” schreit es mich von der Seite an. Ich schrecke aus meinen Überlegungen hoch und ich trete sicherheitshalber wieder einen Schritt zurück.
“Wie bitte?” blaffe ich den Bürohengst an, immernoch mit den Händen in den Taschen.
“Ich dachte, Sie sind meine Kollegin!” erklärt er empört und lässt dabei den Blick nach der passenden Kollegin durch die Gänge schweifen.
“Und ich dache, Sie haben ‘nen Knopf im Ohr.” erwidere ich.
“Ich werd doch noch ohne Knopf im Ohr einkaufen können!” schnappt er beleidigt, hat inzwischen die Kollegin entdeckt und stürmt von dannen, während ich kopfschüttelnd beginne die Salatschachteltürme umzustapeln.
Mit meinem Salat mit Hähnchenbrust und French Dressing schlappe ich zur Kasse, und überhole dabei ein gestikulierendes Pärchen vor dem Weihnachtsgebäckregal.
“Du kannst mich doch nicht einfach stehen lassen, ich quatsche schon wildfremde Frauen mit Salatsaucenfragen voll!”
Sie grinst, ich grinse.
Schon komisch, was man heutzutage fürs Naheliegenste hält, wenn man vor sich hinbrabbelnde Männer im Supermarkt antrifft.
Das war jetzt aber nicht männerfeindlich gemeint. Ich schwöre!
Allerdings ich habe noch nie eine ferngesteuerte Frau im Supermarkt meines Vertrauens gesehen, Männer dafür aber ganz viele.
Samstags.
Ich gebe Ihnen gerne die Adresse!
Dann können Sie gucken gehen!
Kommentare
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