« Kein Himmel über Berlin5 »

Keine Chance bei Ikea

20.01.09

Permalink 17:54:14, von zucker   —   Kategorien: main

Keine Chance bei Ikea

Das Resultat des letzten Regalkaufs hat sich zwar als hübsch, aber unpraktisch erwiesen, also soll Billy her. Billy kennen Sie doch sicher, genau, Ikea.

Ikea ist ja so ein Einkaufsparadies für Autofahrer. Oder kennen Sie einen Nicht-Autoeigner, der sich regelmässig daran erfreut mit dem ÖPNV auf die grüne Wiese rauszujuckeln und nach stundenlangem Im-Kreis-Rumgegrase schwer bepackt in den Bus steigt und glücklich gen Heimat rollert?

Ich bin ja bekanntermassen Nicht-Führerschein-Besitzer und Nicht-Auto-Besitzer, ergo betrachte ich die Welt immer aus einem etwas anderen Blickwinkel.
Wie also an ein (zugegebenermassen durchaus praktisches und auch nett anzusehendes) Billyregal kommen? Genaugenommen sollen es sogar drei werden, hübsch nebeneinander.

Völlig dem Größenwahn verfallen rechne ich mir anhand der Ikea-Webseite mal aus, was es denn nun kosten täte, drei Billys
1. aufzukaufen und
2. auch noch liefern zu lassen!
Von Treppehochschleppen und Zusammenbauen reden wir an dieser Stelle garnicht erst.
Die Lieferbedingungen sind etwas nebulös, und ich stelle schnell fest, daß mein Budget nicht einen solchen Betrag für drei Bücherregale vorsieht.

Wat nü?

Ich konsultiere Wikenia, ein Portal, wo gebrauchte Ikeamöbel vertickt werden.
Supersache, aber das löst ja mein Transportproblem nicht!

Das Transportproblem scheint bis hier genaugenommen das Hauptproblem zu sein.

Ich inseriere also in einem Stadtmagazin, daß ich jemanden suche, der mir ein paar Billyregale von A nach B karren kann, so ich sie denn mal irgendwann käuflich erstehen sollte! Und keine zwei Tage später bekomme ich auch eine Angebots-Mail, in der man mir nach einem komplizierten Schlüssel aufdröselt, mit welchen Anfahrtskosten, Kilometerpauschalen und sonstigen Kosten ich rechnen müsse.
Ich verstehe kein Wort und simuliere mal einen Punkt A und einen Punkt B und lasse mir durchrechen, was das dann wohl kosten täte.
Och, das klingt ja verträglich!
Also maile ich wieder zurück, ohja, zu dem Preis wäre ich mit dabei, nun müsste ich aber erstmal bei Ebay das entsprechende Objekt der Begierde ersteigern, dann würde ich das Angebot gerne in Anspruch nehmen. Gebongt.

Einen Tag später gibt es frische Post.
Das Transportgefährt sei bei widerlichen Tiefsttemperaturen gestartet worden, hätte hässliche Geräusche von sich gegeben und sei nun leiderleider verstorben.
Genaugenommen war die Mail technisch etwas präziser gehalten, aber ich habe wieder kein Wort verstanden und kürze das jetzt mal etwas ab, damit auch wirklich alle verstehen was gemeint ist.
Es täte ihm ja sehr leid und er könne sich mal umhören nach einem anderen Transporteur.
Sehr nett, danke.

Ich sehe das Abenteuer Billy in die Ferne rücken und wühle mich eher lustlos durch Ebay (Suchbegriff Billy, Regal, Umkreis 25km) und - schockschwerenot - werde fündig.
Da möchte jemand aus dem Kölner Umland vier Billyregale verkaufen, und für nen Zwannie werden mir die sogar bis vor die Tür geliefert!
Dascha mal nen dolles Ding! Sollte es so einfach sein?

Wir korrospondieren ein wenig hin und her, die passenden Aufsätze für die Regale hätte er auch noch da, und das alles könne er kommenden Sonntag bei mir vorbeikarren.
Klasse! So hätten wirs gerne! Gekauft!

Und tatsächlich: den darauffolgenden Sonntag klingelt der junge Mann 10 Minuten vor der verabredeten Zeit an meiner Tür Sturm, und die nächste halbe Stunde schleppen wir jappsend Billyregale, Billyeinlegeböden und Billyregalaufsätze in den Waschkeller. Ob ich wohl noch mehr davon bräuchte, er hätte da noch ein paar … nein, danke, das muss jetzt erstmal reichen.

Im Anschluss an diese Aktion streckte mich eine gewisse Lethargie nieder, und es brauchte eine gute Woche, bis ich zwei der Regale erfolgreich zerlegt und in Einzelteilen die Treppe hochgetragen hatte, um diese ausgesprochen ungastlich im Schlafzimmer zu stapeln.
Parallel dazu wollten ja die drei bisherigen Regale abgebaut werden, und der Inhalt besagter Regale musste vorab strategisch gestapelt und verteilt werden.
Richtig, nun gab es schon zwei ungastliche Räume: das Schlaf- und das Wohnzimmer!

Das ist das Schöne an Lethargie: wenns zu ungemütlich wird findet auch die beste Lethargie abrupt ein Ende. Ganz zu schweigen davon, was die Schildkröte sagt, wenn sie die winterschläfrigen Augen aufschlägt und dieses Bretter- und Bücherchaos erblickt - nein, so konnte das nicht weitergehen.

Also wurden in den letzten zwei Tagen die diversen neuen Regalteile zusammengefügt, und die alten Regale grösstenteils in den Keller gepresst. Glücklicherweise stapelt der Nachbar gerade im Keller seinen Sperrmüll übereinander, so das meine ungezählten Regaleinzelteile dazwischen nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Gestern abend waren dann jedenfalls erfolgreich zwei Regale aufgebaut und an die Wand geschoben, als ich feststellte, daß der Inhalt der mitgelieferte Butterbrotpapiertüte mit Metallpinökeln sich dem Ende zuneigte. Genaugenommen fehlen mir die Pins um sieben Einlegeböden einzulegen! Au Backe!
Da muss der Hersteller her .. und das ist bekanntermassen Ikea!

Auf der billyeigenen Webseite gibt es keine Metallpinökel. Oder Pins. Oder Regalhalterungen, Oder Stifte. Oder Metallstifte. Oder … whatever!

Statt dessen gibt es Frag einfach Anna.

Sie haben keine Vorstellung, wie mein Blutdruck in die Höhe pumpert, bei diesen drei harmlosen Worten!
“Anna” ist ein sogenanntes Eliza. Eine hirnlose Datenbank. Und was die aus Anfragen nach Metallpinökeln oder ähnlichem macht lesen Sie vielleicht besser hier nach, bevor es mich mit einem Blutgerinsel im Kopf vom Stuhl haut.
Aber bitte sehr wiederkommen nach dem Lesen!

Der Dialog mit Anna führte mich also ins Nichts, und ich beschloss mich nicht weiter auszuregen, schliesslich kann man um 23h nicht den vollen Service erwarten, also Ruhe bewaren und das Problem nochmal zu üblichen Geschäftszeiten in Angriff nehmen.

Was ich dann heute versuchte! Wo sind meine Tropfen! Ja, versuchte!
Der sogenannte Servicebereich der Ikea-Webseite deckt alles Mögliche ab, und auch die dämliche Anna war wieder mit von der Partie!
Aber die kannte ich ja schon.
Es folgt eine halbe Stunde Suchen und Klicken und Weitersuchen - und wieder mal poppte Anna auf - und ich kramte und suchte … aber das Nachbestellen von Metallpins ist bei Ikea nicht vorgesehen.
Gut, rufe ich da an.

Ich bezahle 14 cent/Minute für eine Hotline.
Die offensichtlich von Annas Schwester besetzt ist! Bundeseinheitlich!
Minutenlang trällert ein pseudo-schwedischer Dialekt mich fröhlich voll, über die Ikea-Family-Card, dank der mir Ikea eine Tasse Kaffee spendiert, wenn ich ab und an mal vorbeikomme… und ähnliches Gewäsch!
Keine Chance meine Frage an wen zu richten und eventuell eine Antwort zu bekommen!
Ich zahle also 14 cent/Minute für Humbug!

Ich bin ja wirklich gewillt, einen gewissen Betrag auzugeben für das, was sich früher Service nannte.
Aber hier soll ich dafür bezahlen, daß mich ein Band vollblubbert? Ohne die geringste Option, meine Frage an jemanden zur richten, der sie eventuell beantworten könnte?


Gehören Sie zu den Menschen die jetzt Folgendes denken?
“Was regt die sich so auf, das ist doch normal!”
Dann verrate ich Ihnen was:
Sie haben es nicht anders verdient!

Ich habe jetzt mal die Mailadresse aus dem Impressum von Ikea angemailt.
Der Gesetzgeber hat die Impressumspflicht nämlich nicht eingeführt, damit es auf kommerziellen Webseiten noch einen Knopf mehr zum Anklicken gibt.
Sondern - unter anderem - … ich zitiere Wikipedia … :

(1) Diensteanbieter haben für geschäftsmäßige, in der Regel gegen Entgelt angebotene Telemedien folgende Informationen leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten:

2. Angaben, die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme und unmittelbare Kommunikation mit ihnen ermöglichen, einschließlich der Adresse der elektronischen Post …

Und ich werde Ikea so lange weiter auf den Sack gehen, bis man meine Frage nach den Metallpinökeln zu meiner Zufriedenheit beantwortet hat.
Was Ikea unter Service versteht wird unter diesem Link übrigens sehr gut verdeutlicht:
http://www.ikea.com/ms/de_DE/ms/de_DE/customer_service/ikea_services/ikea_serviceleistungen.html
Lustig, gelle?
Wenns nur nicht so zum Kotzen wäre!

8 Kommentare

Kommentar von: Ulli [Besucher]
Hallo Erna,

frage nicht Anna sondern ruf den Onkel an der hat so was zuhause und hätte dir welche zugeschickt.

Gruß der Onkel
21.01.09 @ 10:24
Kommentar von: lexxie [Besucher]
Tach Frau Zucker,
die Stöpsel, die sie suchen haben die Nummer 101532, falls dir das bei deinem Kampf mit Anna Langstrumpf in irgendeiner Form weiterhilft.
Und bevor du dem schwedischen Einrichtungshaus ganz den Rücken kehrst, opfere ich mich und und klimpere dem netten jungen Mann hinter der Beschwerdetheke die nötigen Pins aus den Rippen. Brauche eh mal wieder ein paar Teelichter...
In diesem Sinne
Skål!
21.01.09 @ 10:57
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Liebe Frau Lexxie,
ich hätte schwören können, daß Du ein Ikea-Junkie bist .. den ganzen Tag durch Gänge laufen und alles begrabbeln und bestaunen:) Anna weiss selbstverfreilich nix mit dieser Artikelnummer anzufangen.
Aber nun gerade wegen ein paar Stöpsel (ach, so nennt man das?) und einem Sack Teelichter bei Ikea anzureisen find ich ja wieder mal sehr ... unzeitgemäss, sagen wirs mal so.
Falls es Dich aber unabhängig davon ins blau-gelbe Möbelhaus zieht und ich bis dahin immer noch nicht anderweitig fündig geworden sein sollte, wäre ich natürlich voll Dankes! :)


Bester Onkel,
wieso bin ich da nicht drauf gekommen?:)
Noch bin ich optimistisch, daß Ikea auf irgendeinen meiner virtuellen Annäherungsversuche reagiert, ansonsten nehme ich nächstes Mal eine Handvoll Pinöckel von Dir mit.
Oder wie auch immer die heissen ...


Beste Grüße von
Erna, der Nichte und auch von Frau Zucker :)
21.01.09 @ 14:25
Kommentar von: Lexxie [Besucher]
Meine Wohnung dient ab und an als IKEA Showroom.
28.01.09 @ 08:59
Kommentar von: zucker [Mitglied] E-Mail
Lexxie:
Ach? Sowas in dem Stil?
Kein Wunder, wenn die kein Geld für Service übrig haben, wenn sie solchen Tinnef treiben!
28.01.09 @ 19:52
Kommentar von: Verena [Besucher]
Hallo Frau Zucker,ich weiss, warum ich IKEA meide. Möbel von dort hab ich schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr gekauft. Das letzte waren Pflanzen und anderes Kleinzeug. Vl demnächst mal noch Teller. Aber garantiert keine Möbel.

Antwort von IKEA? Denke eher nicht. Habe um Weihnachten rum auch zwei grosse Firmen wegen Reklamationen angemailt und keine Antwort erhalten. Trotzdem: viel Glück
08.02.09 @ 17:16
Kommentar von: Stefan [Besucher] E-Mail
Ikea und Service ein Widerspruch in sich.
Lebst du schon oder reklamierst du noch?
Da lebt man nun jahrelang mit den Produkten seines Lieblingsmöbelhauses und dem Bewusstsein sein Geld in eine nette kundenorientierte Organisation getragen zu haben und muss dann irgendwann feststellen einem netten Märchen aufgesessen zu sein..... Ist es doch nur ein profitorientierter kalter globalisierter Konzern mit einem zugegeben erfolgreichen Marketingkonzept der seine Kunden bei ernsteren (teureren) Problemen im Regen stehen lässt?
Ich schwanke noch zwische dieser Einschätzung oder der schlichten Tatsache einfach an eine unfähige Filialleiterin geraten zu sein.
Wer hilft mir bei dieser Entscheidung?
Die Story beginnt mit dem Kauf unserer 2. Ikeaküche vor knapp zwei Jahren. Die Holzfronten Kwadrat war gestern und sah uns langsam etwas zu "holzig" aus. Etwas moderneres sollte her. Abstrakt rot, gefiel uns schon länger und die Kinder waren mittlerweile auch größer, sodass wir uns trauten eine pflegeintensivere Oberfläche zu kaufen. Nach ungefähr 17 Ikeatypischen Besuchen zwei mittleren Ehekrisen und 4 Heimwerkeridentitätszweifeln stand sie dann endlich und sah richtig gut aus. Mutig hatten wir auf die Oberschränke verzichtet, alles luftig funktional und einfach whoow. Für schlappe 3500 Euro sollte das auch so. Bis hierhin alles ikeatypisch gut.
Tja mit der Zeit kam die Ernüchterung, ok dass man Fingerabdrücke darauf schnell sieht war uns ja von vornherein klar also muss Mann und Frau öfter mal den Wischlappen schwingen, besonders weil die Südlage der Küchenfenster selbst im verregneten Bremen oft genug die Schmierereien gut beleuchtet und betont. Aber dass der weiche Spüllappen lauter Microkratzer hervorruft, selbst Küchenkrepp dazu schon reicht, hat uns dann doch geschockt. In praller Sonne wirken die häufig genutzten Türen und Schubladen stumpf. Spülerfront und Mülleimertür sind im Griffbereich durch die Fingernägel sogar richtiggehend abgenutzt........

Da musste der Ikeaservice ran. Doch der liess sich trotz 6-8 Anrufen bei der Zentralnummer nicht blicken. Erst ein Fax (Telefonnummern der lokalen Häuser bekommt man ja nicht) an die Filialleitung in Bremen-Brinkum mit der Androhung einen Anwalt mit der Sache zu befassen, brachte etwas Bewegung in die Sache. Dazwischen lagen einige Ausreden und sogar die unrichtige Behauptung es mehrfach telefonisch versucht zu haben, was unser Telefonspeicher nicht bestätigen konnte.

Das war dann schon der erste Dämpfer,das hatten wir nicht erwartet. Der eigentliche Hammer aber war der "Kundendienst", der stammelte was von hätte er so noch nie gesehen und wisse er auch nicht und er würde sich nächste Woche melden ob es nicht eine Polierpaste oder ähnliches gebe um die feinen Krazer zu beseitigen.
Natürlich passierte wieder - nichts - . 3 weitere Telefonate später kam ein lapidarer Brief die Reklamation sei abgelehnt und man verweise auf die Pflegeanleitung und beziehe sich auf das Gutachten des Außendienstlers. Gutachten - welches Gutachten. Ein Fax und immerhin nur 2 Wochen Wochen später ein neues Schreiben. Das Gutachten sei lediglich für interne Zwecke und der Außendienstler hätte vor Ort bereits alles begründet... .
Nun stehen wir da mit der Arroganz eines Großunternehmens, das sich weder um Abhilfe kümmert - selbst wenn wir gegen die Pflegeanleitung verstossen hätten wäre ein Hinweis was man tun könnte ja auch gaz nett, noch irgend ein Wort zu dem doch sehr seltsamen Ablauf der Angelegenheit.
Doch was kann man tun? Klar war das unsere letze Ikeaküche und die Familiycard geht auch zurück - danke moderne Möbelhäuser rutschen ja langsam nach. Mein Betrieb will auch seine Buisinesscard wegschmeissen, aber man fragt sich doch ob man sich von einer gutgemachten freundlichen Werbung lange Zeit hat sehr naiv das Geld aus der Tasche ziehen lassen...
Freue mich auf Eure Meinung.
05.09.09 @ 07:50
Kommentar von: Ina [Besucher] E-Mail
Hallo, auf der Suche nach Fällen, wo die Kommunikation mit Ikea nicht funktioniert, bin ich auf diese Seite gestoßen. Vielleicht könnte jemand mir weiter helfen?
Ich recherchiere für ein Verbrauchermagazin.
Wenn Sie mir eine kurze Mail schicken, erkläre ich Ihnen genau, um was es sich handelt.

ina.recherche@googlemail.com

Vielen Dank!
15.09.09 @ 17:11

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))