04.07.07

Permalink 17:37:38, von zucker   —   Kategorien: erna

Mein Balkon - Dein Balkon - wofür haben wir eigentlich zwei?

Balkonien!klick mich! Das ist sozusagen der Hauptgewinn:
ich habe den Balkon emsig bepflanzt, mit Holzdielen ausgelegt, das Grillequipment vervollständigt und nun?

17,5° Grad, bewölkt, mit regelmässigen Regenschauern wenn ich mal die Nase rausstrecke.
Sogar bei der Sonnenblume habe ich eher den Eindruck das sie mich aus- statt anlacht.

Und während ich am Schreibtisch sitze und mit Datenbanken rummurkse  klick mich! kommt Erna gegen 10 Uhr unterm Leoparden hervorgeschlüpft, kriecht kurz in die Küche, ob da vielleicht über Nacht ein Weibchen gelandet ist und kommt dann mit langem Gesicht ins Wohnzimmer zurückgetappst.

Die nächsten Stunden klettert er dann alle halbe Stunde auf den Balkon, nagt an einer ollen Melonenschale rum, kommt wieder reingeklettert, kraucht gewichtig im Kreise rum, und spätestens wenn ich frierend die Balkontür zuschubse will er wieder raus.
Wohl wissend, das es wenig bringt ihn zu beschimpfen knurre ich leise "Erna, Erna, Erna.." und belasse es dabei die Tür zu öffnen wenn Herr Kröt wieder hinter mir langgeklappert kommt.
_So_ hatte ich mir den Sommer nun nicht vorgestellt!

Nach einer deprimierenden Wettervorhersageklick mich! habe ich mich gestern abend schmollend aufs Sofa verzogen und das nächtliche Fernsehprogramm rauf und runter geguckt bis ichs um halb fünf wirklich völlig über hatte und ins Schlafzimmer wechselte. Dank schwarzer Moltonvorhänge  klick mich! störte mich das morgendliche Grau nicht wirklich, und als ich den Kopf in die Kissen drückte entschlummerte ich beim gleichmässigen Regenprasseln auf die schönen Holzfliesen und wusste ganz sicher: ich verpasse nix!

Leider sieht die Aussenwelt das etwas anders als ich. Und gegen 10h wurde die Müllabfuhr sturmschellend um Einlaß begehrend vorstellig. Was für ein Glück wenn man einen Nachbarn hat, der schon nach dem fünften Klingeln vom Balkon runterguckt und dieses Anliegen über drei Stockwerke hinweg ausdiskutiert. Offensichtlich wirkten die Müllmänner wohl amtlich genug, und er betätigte den Türöffner, und eine halbe Stunde später - als man die Mülltonnen geleert wieder in den Keller verräumen wollte - war der Diskussionsbedarf auch nicht mehr ganz so ausführlich und ich grub dankbar den Kopf in die Kissen und entschlummerte wieder.

Nicht ahnend, was sich derweil wahrscheinlich im Rest der Wohnung abspielte. Das Kröt erwachte, kam unterm Sofa vorgerobbt und niemand da zum Spielen! Dann wird er wohl ein wenig durch die Balkontür gelinst haben, und sich geärgert haben wie die Fruchtfliegen sich mit seiner ausgelutschten Melonenschale amüsieren und dann wird er nachgedacht haben.

Um halb eins begann es jedenfalls an der Schlafzimmertür zu kratzen. Beharrlich. Ich schwöre: der Doofkröt hat dieses Jahr bisher kein einziges Mal versucht ins Schlafzimmer zu kommen! Und mir ist auch völlig rätselhaft woher das Tier weiss, das es sich um eine geschlossene Tür handelt und nicht um eine Wand! Und noch schleierhafter ist mir wieso das Dooftier weiss das ich hinter dieser Tür schlafe!
Nach zehn Minuten gebe ich auf. An Schlaf ist jetzt sowieso nimmer zu denken. Ich robbe ans Fussende und hangel nach der Türklinke und öffne die Tür einen Spalt weit.
Erna lugt intressiert ins dunkle Zimmer, aber wegen der offenen Tür weht nun der Vorhang vor der Balkontür ab und an auf.
Vorsichtig, aber zielstrebig talpt Erna quer durchs Zimmer auf den Ostbalkon, während ich mich in die entgegengesetzte Richtung zwecks Kaffeekonsum in die Küche aufmache.

Nach einer halben Stunde hat er erfolgreich die Alugrillschalen aus dem Regal gezerrt, den Grillanzünder umgekippt und versucht krampfhaft auf den Papiersack voll Holzkohle zu krauchen um sich einen besseren Überblick zu verschaffen.
Eine weitere Stunde später komme ich gerade recht als er versucht eine Tüte Blumenerde zu entern und verleide ihm diesen Spass.
Als ich zuletzt nach ihm gesehen hab stemmte er sich gegen ein Bein des Dreibeingrills, wahrscheinlich um ihn umzuwerfen. Ich bin allerdings ziemlich optimistisch, das er daran scheitern wird.

Es regnet immernoch und ich werde mich jetzt ins Schaumbad versenken und darüber sinnieren was ich mit Erna mache, bevor ich zur Eröffnung des Sommergästeprogramms  klick mich! versuche die Innenstadt trockenen Fusses zu erreichen.
Ich habe nämlich keine Lust bei meiner Heimkehr auf allen Vieren durch meine Schlafzimmer zu kriechen um eine verwirrte Schildkröte einzusameln, die eigentlich unters Leopardensofa gehört!
Das ist doch nachvollziehbar, oder?

25.06.07

Permalink 15:16:56, von zucker   —   Kategorien: main, erna

Erna, rollig

Erna Panzerknacker beim Ausbruchversuch
Erst sass er gelangweilt in der Küche rum, dann habe ich ihn auf den Balkon gescheucht, und nun versucht er auszubrechen.

Langsam keimt der Verdacht in mir, das Erna ausgesprochen kurzsichtig ist.
Oder völlig grössenwahnsinnig.
Ich werde das beobachten.

08.06.07

Permalink 20:31:54, von zucker   —   Kategorien: main

Letztens in der Strassenbahn

Eine der grössten Seuchen des letzten Jahres brachten uns die Mobilfunkanbieter mit ihren dammichten Flatrates.

In der Strassenbahn muss man sich ständig anhören, was Kollegin A zu Kollege B sagte, und was der Chef davon hält, oder ob der sowieso ein Idiot ist.
Oder das man gerade aus der Schule raus ist, und jetzt in der Bahn sitzt, und zwar an der Haltestelle Sowienoch und dann gleich in 5 Minuten da ist: "Ich steig jetzt aus!"

Oder das hier:
"Ey boah ej, dann war der Typ da, der Dingens, Du weisst schon.. weisste was der gemacht hat? Der hat mich gefragt wie alt ich bin, ej, ich also voll cool, gesacht, nun rat mal. Weisste was der gesagt hat?"
Undefinierbares Plappern auf der anderen Seite.
"Was? Ne - keine Ahnung, egal.. also.. da sacht der glatt 15! Ey boah ej, hab ich gesagt, ej, Alter! Da musste aber mal 3 Jahre drauftun, ej, ich bin 19!"
Die Gegenseite scheint was zu merken.
"Was? Ej, 4? Achso, ja, is doch egal, ej, is doch voll krass, da denkt der, ich bin 15, ej, was soll das denn?"

Die Alternative wäre sich einen mp3-Player ins Ohr zu stöpseln, aber das will ich auch nicht. Es ist furchtbar.

25.05.07

Permalink 21:58:34, von zucker   —   Kategorien: main

Freitagabend

Ich sitze vollgefressen auf dem Balkon, habe die Füsse hochgelegt. Auf dem Tisch vor mir steht ein Glas Weinschorle, in dem ein paar Minzblätter schwimmen, und ein leeres Grappaglas.
Jemine, die Augen waren wieder grösser als der Bauch, als ich anfing den Grill vollzuschaufeln. Ich glaube, ein zweiter Grappa kann nicht schaden.
Skol.
Ende Mai, und mein erster Blogeintrag dieses Jahr .. na Halleluja!
So fühle ich mich auch gerade.. einmal vom Erdboden verschluckt und nun wieder ausgespuckt.

Gegrillt habe ich übrigens Dorade und Fenchel. Sehr lecker! Dorade kannte ich nicht, aber ein feiner Grillfisch!
Aber ab morgen soll das Pfingstwochenende wohl eher bewölkt, schattig und gewitterig werden.

Ich sehnsüchtel nach einer Pause. Also einer echten Pause. Sowas ohne diese kleinen Mails "Kannst Du mal kurz gucken, da hat sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen..", "Kannst Du mal kurz gucken, ich hab da ne Datei die nicht aufgeht...", "Kannst Du mal kurz..."

Vielleicht ist Pfingsten ja ein guter Einstieg:
Seele baumeln lassen, viel schlafen.
Nächste Woche würde ich gerne anfangen zu fasten. Sowas bodenständiges.
Wieder zu mir finden. Und auch ein wenig bei mir bleiben.

Und daraus resultierend auch wieder zu Bloggen :)
Mal sehen....

So, es wird dunkel auf meinem Balkon.
Bis bald.

08.12.06

Permalink 19:18:25, von zucker   —   Kategorien: main

Unberechenbares Schauern

klick mich zum vergrössernGestern morgen wurde ich wach, lauschte 30 Sekunden dem Platzregen kombiniert mit Windböen, wälzte mich auf die andere Seite, knautschte das Kissen zurecht und schlief wieder ein. Aber gegen Mittag hatte sich selbst mein aktuelles Siebenschläfernaturell erschöpft, und ein etwas angeknautscher Zettel auf dem Nachttisch mahnte ich mich auch, das ich ein klitzekleines bischen Arbeit mitgenommen hab.

Also zog ich mich widerwillig aus den Federn hoch, köchelte mir den morgendlichen Ingwertee und verkroch mich die nächsten zwei Stunden stirnrunzelnd zurück ins Bett, diesmal mit Laptop auf dem Bauch.
Und lasse mich hingebungsvoll von einem Kaskadierenden Hypertext-Stylesheet-Dokument  klick mich! schikanieren. Da kommt es mir sehr recht, das das Klopfen am Fenster irgendwann verstummt, und hocherfreut schubse ich das elende Laptop vom Schoss, springe in lange Angoraunterhosen und SchirmCharmeMeloneAnorak, hänge die Kamera über die Schulter und eile vergnügt-summend über die Dünen Richtung Westkapelle  klick mich!. Freue mich an manigfaltigem Wolkenspiel  klick mich! und finde auch das immer dunklerwerdende Wolkengetüm über mir höchst fotographierenswert  klick mich!.
Ich dusseliges Städterding, ich.

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Das Wolkengetüm grinst mich also spöttisch an, spuckt mir mal probeweise auf die Linse, welche ich empört sauberwische, und dann zeigt mir das Wolkengetüm aber mal was ne Harke ist.

Plötzlich weht eine Sturmböe mich fast um, ich nestel schnell die Jacke auf um die Kamera zu schützen, und schon schwappt ordentlich Wasser über mich. Es giesst in Strömen, das Wasser läuft mir selbst in die Stiefel, und als ich mich eine Viertelstunde später zähneklappernd die steilen Stiegen meiner Behausung hochziehe klebt wirklich alles an mir.
Ich pelle mich also mit steifgefrorenen Fingern aus den Klamotten, stopfe die Kleider in die Waschmaschine und Zeitungspapier in die Stiefel, koche mir knurrend den hundertzwanzigstens Ingwertee, befülle die Wärmflasche mit kochendem Wasser und krieche leisefluchend neben das arglos vor sich hinsurrende Laptop ins Bett zurück.

Das ist zuviel der Freudlosigkeit: kaskadierende Dingsbumse, hinterlistige Wolkengetüme und dann nur Ingwertee für die geschundene Seele.
"Genuch gefastet!" krabbel ich triumphierend aus dem Bett und zaubere einen schrumpeligen Apfel aus dem Rucksack hervor. Flugs das gute Stück aufpoliert und in acht Stücke geteilt breche ich das Fasten  klick mich!, und wackel dabei begeistert mit den wieder beweglichen Zehen, was ich wohl zum Abendessen essen könnte.
Dieser Gedanke lässt mich dann auch furchtlos die nasswarmen Stiefel von der Heizung zupfen und über die Füsse stülpen, und schon kletter ich wieder die gefährliche Stiege herab um im Schutze der Dunkelheit zum Supermarkt zu huschen.

Wie bereits oben erwähnt: ich dusseliges Städterding. Naiv dazu.

Ich stehe also kurz vor sieben vor den verschlossenen Türen des Supermarktes, aber netterweise hat das Wetter mich dann doch noch bemerkt und giest erneut einen erfrischenden Eimer Wasser über mir aus.

Als ich diesmal die Treppe hochklettere fluche ich nichtmal mehr.
Zum Abendessen gibts dann zwei Handvoll Basmatireis, die ich in den müden Resten der gestreckten Tomatensuppe gegart habe. Klingt scheusslich, aber glauben Sie mir: nach vier Tagen Fasten ist auch das ein Genuss!

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